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Willkommen



„Was ich sonst mache oder sage, kann die Struktur des Universums nicht ändern. Aber vielleicht kann meine Stimme der größten Sache dienen: Eintracht unter den Menschen und Friede auf Erden.“ 

Albert Einstein



Entschieden für Frieden und gegen rechts!

 



Rede von Anne-Katrin Vetter,      Friedensrat Markgräflerland zum Auschwitz Tag 2022 in Müllheim

 

»Auschwitz«

Eingefallenes Gesicht
erloschene Augen,
kalte Lippen.
Stille.
Ein zerrissenes Herz
ohne Atem,
ohne Worte,
keine Tränen.

Dieses Gedicht ist von Santino Spinelli, einem Rom, der in den Abbruzzen in Italien lebt.
Es wurde in zwei Varianten des Romanes und auf Deutsch und Englisch in einen Stein der Gedenkstätte für die Opfer der Sinti und Roma während des Nationalsozialismus in Berlin eingraviert.

 

Das, was ich Euch heute sagen will, dauert etwas. Aber es ist sehr wichtig.
Bitte seid geduldig. Danke für Eure Aufmerksamkeit.


Auschwitz. Ein Wort, das man theoretisch kennt. Praktisch ist das, was es für uns heute symbolisiert, schon sehr lange her. Vor 77 Jahren, am 27. Januar 1945 befreite die russische Armee das Vernichtungslager Auschwitz.
Mehr als eineinhalb Millionen Kinder wurden in jener Zeit von den Nazis ermordet. In allen unseren Zahlen sind nicht die Menschen enthalten, die in Europa im Westen und auch im Osten durch das Treiben der Nazis starben, verdampften, verreckten.
Alleine in Auschwitz wurden mindestens 200 000 Kinder ermordet.

Was bedeutet Auschwitz?
Auschwitz wurde als Vernichtungslager von den Nazis geplant und durchgeführt.
Alle Worte, mit denen irgendetwas aus dieser Zeit beschrieben werden kann, können das, was dort passierte, perfide geplant, auf brutalste Weise durchgeführt, und zum Schluß teilweise erfolgreich Spuren verwischt, niemals fühlbar beschreiben.
So fürchterlich schlimme Worte und Beschreibungen gibt es nicht.
Hier sind ein paar Eindrücke, die uns das Wort „Auschwitz“ etwas mehr ins Wahrnehmbare führen:
Auseinandergerissene Familien. Aus ihrem Leben gerissen, wie Vieh in größter Enge in Viehwaggongs verfrachtet.
Tagelang fuhren sie ohne Essen und Trinken, Toilette, Wasser, ärztliche Versorgung. Die meisten hatten keinen Platz zum Sitzen, sie mussten also stehen. Über Tage. Ohne sich groß zu bewegen!!!! In größter Kälte ohne Heizung, in sengender Hitze ohne Kühlung. Kranke, Sterbende, Junge, Alte, Kinder, Männer, Frauen, Verlassene, Familien.
Ein Gestank, der nicht aushaltbar war: Verrichtete Notdurft, Körperaus-dünstungen, Erbrochenes, Blut…
Die, die starben, verblieben im selben Waggong, überfüllte Waggongs, stickigste Luft, sehr oft gab es nicht einmal ein Fenster!
Und alles Fahrten ins Ungewisse!
„Stimmt es, dass wir nur umgesiedelt werden?“
„Was wird mit uns passieren?“
„Wo ist mein Mann, meine Tochter, mein Sohn, meine Frau, meine Eltern…?“
„Wo sind wir?“
Ankunft nach Tagen in Auschwitz. Ein unvorstellbar riesengroßes Gelände mit ganz vielen Holzbaracken. Stacheldrahtzäune rund herum. Wachtürme.
Die Menschen wurden aus den Waggongs getrieben. Alles Gepäck, was sie mitnehmen durften, musste am Rampen-Rand abgelegt werden. Nichts durfte mehr behalten werden als das, was sie am Körper trugen.
Hundegebell. Befehlsgeschrei – „Was ist das für eine Sprache?“
Viele verstanden diese nicht!!
Das war Auschwitz:
Direkt nach der Ankunft wurden Frauen mit Babies und Kleinkindern, Alte, Kranke und Kinder auf ein mit Bäumen bestandenens Gelände verwiesen. Dort sollten sie warten. Auf was, wussten sie nicht.
Manche teilten miteinander das Bißchen Essen, was die eine oder der andere noch besaß. Dann mussten sie sich alle voreinander ausziehen.
Alle ihre ärmlichen Besitzgüter wurden eingesammelt, ihre Haare rasiert. Dann wurden sie nackt in die Hallen getrieben, wo sie vergast wurden.
Mit Brechstangen wurden die Münder der Toten geöffnet, um nachzuschauen, ob Goldzähne herausgebrochen werden konnten.
Das war Auschwitz:
Heimatlos, hoffnungslos, aussichtslos.
Versuche an Menschen mit Schmerzen und ohne Betäubung. Verrecken!
Arbeitseinsätze, die die Kräfte überstiegen. Die Bedingungen der Unterbringung waren fürchterlich.
Das war Auschwitz:
Hunger, Gewalt, Terror, Verzweiflung, Trauer.
Viele sollten sich in einen „Behandlungsraum“ zur Untersuchung einfinden. Einzeln wurden sie hereingerufen. Sie bekamen eine Spritze in die Rippen, ins Herz, und waren sofort tot.
So viele Menschen wurden erschossen, vergast, vergewaltigt, erhängt und zu Tode gequält.
Das war Auschwitz:
Die Nazis ließen sie verhungern, verdursten und erfrieren.
Sie starben, weil sie keine medizinische Behandlung erhielten.
Sie starben, weil sie zu Versuchskaninchen der Nazi-Ärzte wurden.
Es wurde zwar an ihnen herumexperimentiert, aber nicht geholfen.
Zum Schluß, als die russsische Armee immer näher kam, wurden die restlichen noch lebenden Menschen, in erbärmlichem Zustand auf Todesmärsche getrieben, um zu Fuß weiter nach Westen zu gelangen, um dort in anderen Lagern umgebracht zu werden….
Für uns steht Auschwitz als schreckliches Mahnmal für alle Orte dieses fürchterliche Treibens der deutschen Nazis und ihrer Helfer.
Eineinhalb Millionen jüdischer Kinder, von insgesamt etwa sechs Millionen Juden, die den perversen Wahnvorstellungen des NS-Regimes und ihren Unterstützern und Ausführenden, zum Opfer fielen.
Weitere Hunderttausende Erwachsene und Kinder kommen hinzu, die nicht jüdischen Glaubens waren, und ein genauso höllisches Lebensende erleiden mussten…
Alle diese Opfer wurden zu Aussätzigen, für die keine Rechte mehr galten.
Mehr als eineinhalb Millionen tote Kinder sind keine Größenordnung, die uns vorstellbar erscheint.
Aber es sind mehr als eineinhalb Millionen Schicksale,
mehr als eineinhalb Millionen Hoffnungen + Wünsche, Lebensentwürfe + Erwartungen.
Aber nicht: mehr als eineinhalb Millionen Erinnerungen.
Denn, die allermeisten dieser Kinder sind vergessen.
Wie schrecklich ist schon nur diese Tatsache? Kinder, die das Leben ganz neugierig noch vor sich hatten, jedes einzelne für sich ein Universum!
In vielen Fällen ist nicht einmal mehr ihr Name bekannt.
Doch auch über diejenigen, deren Namen und Geburtsdaten in den Archiven der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem oder im Gedenkbuch des Bundesarchivs notiert sind, wissen wir kaum etwas.
Wir gedenken heute symbolisch mit dem Auschwitz-Tag dem Schicksal aller Menschen, die,
egal welcher Religion sie angehörten,
egal welchem Land sie entstammten,
egal welche Neigung oder
egal welche politische Einstellung sie hatten,
egal welche Hautfarbe sie hatten,
egal ob sie alt, Kind oder krank waren
durch die schrecklichen Taten der Nazis umgebracht wurden.

Wir verachten alle schönen Worte unserer Zeit, die diese Taten kleinreden dürfen,
es darf keine Leugner geben, die sagen, es war ganz anders.
Mit Nazis diskutiert man nicht.

 

Jedes einzelne Opfer der Nazis auf der ganzen Welt ist eine Stimme, die gehört werden muss. Alle sagen sie:
„Ihr dürft uns nie vergessen. Ihr dürft unser Leid nie vergessen. Ihr müsst bitte alles in Eurer Kraft Stehende tun, damit so etwas nie wieder vorkommt.“
Ich frage mich, „Kommt es nie wieder vor?????“

Sehen wir die sich überall tümmelnden, angeblich so harmlos agierenden Neonazis?

Was ist mit den sich so lange hinauszögernden Gerichts-Verhandlungen, wenn Nazis erwischt werden? Was ist mit den Vertuschungen und den eingestellten Verfahren?
Warum werden heute immer noch Verbrechen von rechts nicht so recherchiert und bestraft, wie es sein müsste?
Warum gab es über Jahrzehnte keine Verfolgung aller Nazis und deren Schergen?

Warum bekamen so viele mächtige Nazis im Nachkriegsdeutschland wieder Posten????
In der Oberbadischen fand ich am 19.01. den Artikel, dass der norwegische Nazi Breivik seit Jahren wieder vor Gericht ist. Nach Ablauf seiner Mindesthaftstrafe soll geprüft werden, ob dem rechten Massenmörder die Haftstrafe auf Bewährung erlassen werden kann. Beim Betreten des Gerichtsaals zeigte er den Hitlergruß, auch an den Richter gewandt!!!
 

Ihr dürft uns nie vergessen. Ihr dürft unser Leid nie vergessen. Ihr müsst bitte alles in Eurer Kraft Stehende tun, damit so etwas nie wieder vorkommt.
Diese Stimmen müssen für immer in unser aller Herzen und Ohren sein.
Abgesehen davon, wer weiß schon, ob wir nicht morgen dran sind, und es dann auch wichtig ist, dass niemand sagt, „wir haben von nichts gewusst“, sondern dass alle sagen können:
„Wir haben etwas unternommen. Wir haben geholfen!“
Wir gedenken jetzt in einer Schweigeminute dem Schicksal aller Menschen, denen nicht geholfen wurde, obwohl viele wussten, was durch die Nazis passierte und auch hätten handeln können.


Anne-Katrin Vetter, Friedensrat Markgräflerland

 

 

23.Januar 2022:                                 Gedenkveranstaltung anlässlich des Internationalen Gedenktags an die Opfer der Nazis vor dem Jüdischen Friedhof in Müllheim -

Friedensrat bekräftigt antifaschistischen Konsens

Am 27. Januar 2022 jährt sich die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee zum 77. Mal.
Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und den Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt.

Auschwitz ist das Synonym für den Massenmord der Nazis an den europäischen Juden und anderen Menschen, die rassistisch oder politisch ausgegrenzt  und ermordet wurden.
Auschwitz ist das Kainsmal der deutschen Geschichte.

Der 27. Januar ist kein Feiertag im üblichen Sinn. Er ist ein "DenkTag": Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit schaffen Orientierung für die Zukunft. Und er ist ein Tag des Handelns: Heute werden von rechten Kräften und Neonazis die Verbrechen der Nazis entschuldigt und verharmlost.
Deshalb bekräftigt der Friedensrat Markgräflerland  den antifaschistischen Konsens unseres Landes:
Nie wieder Faschismus! - Nie wieder Krieg!


Um möglichst vielen Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, lädt der Friedensrat Markgräflerland für Sonntag, den 23.Januar 2022 um 15 Uhr ein zur Gedenkveranstaltung an die Opfer der Nazis vor den Jüdischen Friedhof in Müllheim
(Schwarzwaldstraße/Im Nußbaumboden)

► hier das Plakat zum download

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

Eingang zum Stammlager Auschwitz mit der zynischen Überschrift: Arbeit macht frei

Die von den Nazis hierher verschleppten Menschen wurden durch Arbeit vernichtet, wenn sie nicht in den Gaskammern ermordet wurden

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

Gedenktafel im Vernichtungslager Auschwitz Birkenau

► Informationen über das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau  

Wer von den Opfern spricht, darf zu Tätern nicht schweigen

► Markgräflerland unterm Hakenkreuz

In den letzten Jahren waren wir mehrmals im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau:

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

Auschwitz diente gleichzeitig als Konzentrationslager sowie als Vernichtungsstätte. In den letzten Jahren der Nazi-Herrschaft gab es ein ganzes Geflecht von Auschwitz-Nebenlagern

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

1944 wurden jüdische Menschen aus Ungarn von den Nazis nach Auschwitz deportiert und ermordet

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

Ankunft jüdischer Menschen in Auschwitz-Birkenau 1944

 

Foto:Friedensrat Markgräflerland 2018

Vor der Selektion mussten sich die verschleppten Menschen auf der Rampe im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau  aufstellen

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

Auschwitz-Birkenau 1944:

Kinder auf dem Weg in den Tod

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

Auschwitz-Birkenau 1944: Auf dem Weg in den Tod

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018 Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

An der Rampe ausserhalb der Lagers, an der die jüdischen Menschen aus Ungarn in das Vernichtungslager getrieben wurden, legten wir diese Steine

Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

Erinnern an Auschwitz heisst: Handeln gegen rechts!

                                                                                               Foto: Friedensrat Markgräflerland 2018

Dieser Ort sei allezeit ein Aufschrei der Verzweiflung und Mahnung an die Menschheit.
Hier ermordeten die Nazis über anderthalb Millionen Männer, Frauen und Kinder.                                                  Die meisten waren Juden aus verschiedenen Ländern Europas.


Text am Denkmal im Vernichtungslager Birkenau, das 1967 auf Initiative des Internationalen Auschwitz Komitees errichtet wurde.


Wer immer hier Hand angelegt hat, wen immer er gemeint hat: Uns gefällts!


 

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